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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was für eine Schlange ist das?


Wilhelm Scherz
05.11.2003, 12:39
In den Westkarpaten (Anina-Gebirge) hab ich auf einem Forstweg eine tote Schlange gefunden. Das Tier war am Kopf verletzt - vermutlich von einem Auto angefahren. Wer kann mir helfen, um was für ein Exemplar es sich dabei handelt. Anbei zwei Fotos:
Oberseite der Schlange
http://www.karpatenwilli.com/schla07.jpg
und hier noch die Schlange von der Unterseite
http://www.karpatenwilli.com/schla08.jpg
Das Tier hatte eine Gesamtlänge von 1,35 m.
Schöne Grüsse, Willi!


[Editiert von Wilhelm Scherz am 05-11-2003 um 15:41 GMT]

Felix Hulbert
05.11.2003, 13:51
Hallo Willi,

die Rückenzeichnung lässt vermuten, dass es sich um eine Äskulapnatter Zamensis longissimus, besser bekannt unter dem alten Namen Elaphe longissima handelt. Allerdings bin ich ein wenig verwundert über die extrem dunkle Färbung, inklusive der Unterseite.
Oder sollte ich mich etwa irren?

Gruß
Felix

Klaus
05.11.2003, 15:22
Hi,

ich würde ja eigentlich eher auf Coluber jugularis(Pfeilnatter) tippen.
Aber ich liege eh meist daneben:D

Gruß
Klaus

Wilhelm Scherz
05.11.2003, 15:28
Hallo Felix und Klaus!
Also nur noch so viel zu der Schlange. Von oben hat sie eher eine schwarze Färbung und von unten mehr silbern. Das kommt ein wenig schlecht raus, weil die Sonne etwas ungünstig darauf scheint. So es für eine genauere Ansicht nötig sein sollte, könnte ich auch grössere Bilder davon anfertigen.
Schöne Grüsse, Willi!

Maha
07.11.2003, 10:01
Hallo Willi,

konntest Du ein gutes Kopfportrait, am Besten von oben und von der Seite, machen? So dass man die Beschuppung sehen kann? Falls Du das nicht gemacht hast, kannst Du eventuell den Kopfbereich noch einmal größer/mit höherer Auflösung extra einscannen bzw. ins Netz stellen? Oder ist dafür durch die Verletzung zuviel kaputt? Ich habe versucht das Bild zu vergrößern, kann aber leider aufgrund der groben Pixel nix erkennen.

Gruß Johannes

Maha
07.11.2003, 15:28
PS: also Coluber jugularis halte ich für unwahrscheinlich, da die eigentlich auf der Unterseite rot bis rötlich sein sollte. Außerdem bevorzugt sie offene Landschaften, wobei ich bei "Forstweg" eher auf Wald tippen würde :-) und die Verbreitung passt auch nicht so ganz mit dem Fundort überein ...
Was mich an Elaphe/Zamensis longissima stört sind die Streifen am Kiefer, die allerdings auf dem Bild schwer genau zu erkennen sind. Hatte das Tier denn gekielte Körperschuppen?

Gruß Johannes

Wilhelm Scherz
07.11.2003, 15:34
Hallo Johannes!
Leider habe ich keine weiteren Bilder von der Schlange. Ich hab aber von der Draufsicht noch einmal einen Ausschnitt etwas grösser eingescannt. Leider ist darauf der Kopf auch nicht sonderlich gut zu erkennen. Da fällt mir noch ein, dass wir zwei Kilometer weiter einen Bergbauern zu der Schlange befragt hatten. Die Leute dort bezeichnen diese schlicht als "Wasserschlange". Ob aber meine Beschreibung nun wieder dem Bauern genügte, bleibt auch in Frage zu stellen :) !
Hier mal noch der Bildausschnitt:
http://www.karpatenwilli.com/schlange.jpg

Maha
08.11.2003, 12:08
Hallo Willi,

ich befürchte ich kann Dir nicht wirklich helfen... Die Streifen am Kopf denke ich nun sind Artefakte der Todesursache. Aufgrund des neuen Bildes, würde ich eher dazu tendieren zu sagen, dass das Tier gekielte Körperschuppen hat... auch wenn sich darüber streiten lässt... Dafür spricht auch Deine Erzählung des Bauern, der dies als Wasserschlange bezeichnet hat und bestätigt meinen allerersten Verdacht, dass es wohl eher eine schwarze Ringelnatter (Natrix natrix) ist/war, die müssen auch nicht immer die gelben Halbmonde haben. Dafür spricht in meinen Augen auch der relativ kurze Kopf... abe ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen...

Gruß Johannes

Wilhelm Scherz
08.11.2003, 13:30
Hallo Johannes!
Also da ich ja zur weiteren Bestimmung des Tieres nichts beitragen kann, will ich Dir wenigstens einen Einblick in die Region auf zwei Fotos aus der Cheile Nerei geben:
http://home.t-online.de/home/Rumaenien-Bilder/00-1-23.jpg
und
http://home.t-online.de/home/Rumaenien-Bilder/00-1-24.jpg
Die tote Schlange lag aber in einem mehr weiten Teil der Schlucht, ca 200 Meter vom Wasser entfernt. Das Anina-Gebirge liegt im Banater Bergland, nahe der Donau-Region.
Schöne Grüsse, Willi!

guidokreiner
08.11.2003, 20:28
Hallo Willi,

Felix lag schon richtig. Es handelt sich um eine Äskulapnatter (Zamenis longissimus).

Kann anhand der Bilder und der ursprünglichen Natur dieser Region Deine Begeisterung für die Karpaten durchaus nachvollziehen.

Viele Grüße aus Südhessen

Guido

Wilhelm Scherz
09.11.2003, 21:47
Hallo Guido und all die anderen! Dann Danke ich Euch rechtherzlich für die Bestimmung des Tieres. Übrigens werter Guido, wie ich gesehen hab, liegen unsere "regionalen" Interessen teils gar nicht so weit auseinander :) !!!!
Schöne Grüsse, Willi!

[Editiert von Wilhelm Scherz am 09-11-2003 um 00:48 GMT]

Maha
10.11.2003, 11:20
Hallo Guido,

ich hab da noch einmal eine Frage. Wie kommst Du denn auf die Äskulapnatter? Hast Du bessere Augen? Spricht die weisse Zeichnung immer für Äskulap? Gibt es dort keine Ringelattern? Oder nur keine Schwarzen? Siehst Du auf gar keinen Fall gekielte Schuppen? Glaubst Du Bauern grundsätzlich nicht? Oder unterstützt Du einfach den Felix?
Wie gesagt das ist alles nicht als Angriff gemeint, es interessiert mich nur, wie Du zu Deiner Meinung kommst. Wobei ich zugeben muss, dass ich nach den Bilder der Landschaft auch eher auf Äskulap tippen würde, da ich Ringelnattern eher aus offeneren Gebieten kenne und mich ja auch nicht hundertprozentig festlegen wollte.

Ich hoffe Du bist nich sauer und schreibst noch einmal oder jemand anderes gibt seinen "Senf" dazu :-)

liebe Grüße
Johannes

Ingo
10.11.2003, 11:46
Äskulapnatter hätte ich auch nicht gedacht-so dunkel udn der bAuch... Spontan kam mir Coluber in den Sinn.
Was gibts denn davon in den Westkarpaten? C. caspius? Sind die nicht auch manchmal dunkel?

Na ja (Naja ;) ) kenne mich da nicht aus...

Maha
10.11.2003, 19:13
Hallo,

C. caspius gibt es schon, aber ich konnte nichts von schwarzen/schwärzlichen Tieren finden... :-) Außerdem wäre mir dafür der Schwanz zu kurz und zu kräftig...

Naja :-) dann sind wir wieder so weit wie vorher :-)

Gruß Johannes

Vipera
11.11.2003, 08:20
Hallo,
auch ich stimme Felix und Guido zu. Meiner Meinung nach, handelt es sich tatsächlich um die Äskulapnatter.

MfG Johan De Smedt

Kurt Orth
11.11.2003, 14:53
Hallo Johan,
auch ich schliesse mich eurer Meinung an, es ist eindeutig die Askulapnatter. Schwarze Ringelnattern hielt ich selber Jahrelang im Terrarium, die Zeichnung auf der Rückenseite passt nicht.

guidokreiner
11.11.2003, 21:20
Maha schrieb:
Hallo Guido,

ich hab da noch einmal eine Frage. Wie kommst Du denn auf die Äskulapnatter? Hast Du bessere Augen? Spricht die weisse Zeichnung immer für Äskulap? Gibt es dort keine Ringelattern? Oder nur keine Schwarzen? Siehst Du auf gar keinen Fall gekielte Schuppen? Glaubst Du Bauern grundsätzlich nicht? Oder unterstützt Du einfach den Felix?
Wie gesagt das ist alles nicht als Angriff gemeint, es interessiert mich nur, wie Du zu Deiner Meinung kommst. Wobei ich zugeben muss, dass ich nach den Bilder der Landschaft auch eher auf Äskulap tippen würde, da ich Ringelnattern eher aus offeneren Gebieten kenne und mich ja auch nicht hundertprozentig festlegen wollte.

Ich hoffe Du bist nich sauer und schreibst noch einmal oder jemand anderes gibt seinen "Senf" dazu :-)

liebe Grüße
Johannes


Hallo Johannes,
will mich mal anschicken Deine Fragen zu beantworten ...
Tatsächlich weist, wie Du es angedeutet hattest, die weiße Strichelzeichnung die Schlange eindeutig als Zamenis longissimus aus. Typisch ist,das diese ansonsten feine und eher dezent bis verborgene Zeichnung immer dann recht deutlich zum Vorschein tritt, wenn der Körper durch ein Beutetier geweitet ist. Dies ist bei dem abgebildeten Tier der Fall. Insbesondere auf der ersten Abbildung ist die Lage des Beutetieres und die damit verbundene verstärkte Erscheinung der Strichelzeichnung leicht zu erkennen.

Sicher mag es in diesem Habitat auch Ringelnattern geben, vielleicht sogar Schwärzlinge. Angesichts der Länge des Tieres (ca. 135 cm) müßte es sich dann um ein Weibchen handeln. Weibliche Ringelnattern in dieser Größe besitzen einen deutlich stabileren und gedrungeneren Körper als die abgebildete Äskulapnatter.

Die tendenziell dunkle Grundfärbung der besprochenen Natter, ist, insbesondere im östlichen Verbreitungsgebiet keine Ausnahmeerscheinung. Gerade in höher gelegenen und oder dicht bewaldenen Lebensräumen finden sich regelmäßig solche, vom Typus abweichende Individuen.

Innerhalb vieler Exkursionen kam es immer wieder zur Kommunikation mit der einheimischen Bevölkerung, insbesondere Hirten, Jäger, Bauern und Fischer waren regelmäßige Gesprächspartner. In den meisten aller Fälle und Gespräche stellte sich die Kenntnis der einheimischen Gesprächspartner als äußerst pauschal dar. Zwangsläufig wird so ein Laie eine in Gewässernähe gefundene Schlange als Wasserschlange beschreiben.

Ich hoffe ich konnte Dir meine Erkenntnisse plausibel darlegen und bednke mich für Dein kritisches Hinterfragen, zumal dies der Sinn und Zweck eines Forums ist.

Viele Grüße aus dem mittlerweile recht kalten Südhessen

Guido

Maha
11.11.2003, 21:56
Lieber Guido und all die anderen,

Danke für die Antworten auf mein kritisches Hinterfragen! Ich kannte bisher Äskulapnattern nur ohne diese Zeichnung. Ich habe allerdings auch noch keine solch dunklen Tiere gesehen. Aber so lernt man immer wieder etwas dazu :-)

Gruß Johannes

Felix Hulbert
12.11.2003, 11:25
[quote]Maha schrieb:
Ich kannte bisher Äskulapnattern nur ohne diese Zeichnung.

Hallo Johannes,

die weiße Strichelzeichnung ist auch bei den deutschen Exemplaren nicht sonderlich selten. "Unsere" Rheingauer Exemplare weisen sehr häufig diese Zeichnung auf.


[quote]guidokreiner schrieb:
Weibliche Ringelnattern in dieser Größe besitzen einen deutlich stabileren und gedrungeneren Körper als die abgebildete Äskulapnatter.

... und der Kopf ist stärker abgesetzt als bei Zamensis.
Auf dem 2. Bild von Willi lässt sich ganz gut der nicht abgesetzte Kopf erkennen.


[quote]guidokreiner schrieb:
Die tendenziell dunkle Grundfärbung der besprochenen Natter, ist, insbesondere im östlichen Verbreitungsgebiet keine Ausnahmeerscheinung.


Hallo Guido,

dass die östlichen longissimus recht dunkel sein können war mir zwar bekannt, was mich erstaunte war dass der Bauch ebenfalls nahezu schwarz ist. Ist dies immer so, oder handelt es sich um ein Tier mit ungewöhnlich dunkler Unterseite?


Gruß aus der ebenso kalten Äskulapregion

Felix

guidokreiner
12.11.2003, 14:18
guidokreiner schrieb:
Die tendenziell dunkle Grundfärbung der besprochenen Natter, ist, insbesondere im östlichen Verbreitungsgebiet keine Ausnahmeerscheinung.


Hallo Guido,

dass die östlichen longissimus recht dunkel sein können war mir zwar bekannt, was mich erstaunte war dass der Bauch ebenfalls nahezu schwarz ist. Ist dies immer so, oder handelt es sich um ein Tier mit ungewöhnlich dunkler Unterseite?


Gruß aus der ebenso kalten Äskulapregion

Felix

Hallo Felix,

tatsächlich und naheliegenderweise sind es stets die auch oberseits ins Dunkle tendierenden Tiere, welche bauchseitig ab und an eine einheitlich dunkelgraue bis schwärzliche Färbung aufweisen.

Übrigens schlich sich bei Deiner Namensgebung jeweils ein (s) zuviel ein, so heißt es richtigerweise Zamenis statt Zamen(s)is.

Viele liebe Grüße in den Rheingau

Guido

Felix Hulbert
12.11.2003, 18:11
Übrigens schlich sich bei Deiner Namensgebung jeweils ein (s) zuviel ein, so heißt es richtigerweise Zamenis statt Zamen(s)is.



Lieber Guido,

na das ist ja ein Ding. Besten Dank für die Korrektur. Das war noch nicht mal ein Tippfehler, sondern in voller Absicht so geschrieben. Aber Du hast vollkommen recht - das "s" muss weg. Schade, hatte mich schon so dran gewöhnt... :D Tja, man lernt nie aus.

Gruß nach Südhessen

Felix