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Felsenbau
Terrariengestaltung:   Bau- und Bilddokumentation
Kunstfelsenbau Flexkleber und Epoxydharz
von  Peter Harbig (Berlin)

Immer wieder tauchen Fragen zum Bau künstlicher Felsen / Rückwände auf. Was soll ich nehmen? Reicht Fliesenkleber allein? Wie viel Epoxyharz brauche ich? Und vieles mehr…
 
Meine ersten Kunstfelsen habe ich Mitte der 1980er nach der Methode von ABRAHAM (Sauria Ausgabe 03/1983 Seite 29-32 ABRAHAM, G.: Terrarienbau und -gestaltung, Teil 8. 1 - Deko-Felsen im Eigenbau) gebaut.

Hier wurde Styropor direkt mehrfach mit Epoxydharz bestrichen und besandet. Nachteil war, dass doch extrem viel Epoxyd-Harz nötig war (mindestens 3 Anstriche), um ein optisch einwandfreies und unkaputtbares Ergebnis zu erhalten.
So schaute ich mir Anfang der 1990er Jahre bei Anderen den Einsatz von Flex -Fliesenkleber als alleinige Beschichtung ab.

Zunächst war ich überzeugt für mich, als Halter kleinerer Echsen, das ideale Material gefunden zu haben.
Aber! Irgendwann müssen auch mal Kotreste abgewaschen /gebürstet werden.
Beim (um)dekorieren mit Ästen oder Wurzeln sind auch bei leichteren Schlägen schnell Verletzungen in der Oberfläche zu verzeichnen, die Futterinsekten den Einstieg ermöglichen.


Die einzige Möglichkeit so etwas dauerhaft über viele Jahre in Ordnung zu halten, war eine fortwährende Renovierung in mehrjährigen Abständen durch neue Anstriche. Davon bin ich nun entnervt und baue zukünftig alles in einer Verbindung aus Flex-Fliesenkleber und Epoxydharz.
In der folgenden Bilderreihe habe ich mal die Arbeitsschritte fotografisch dokumentiert. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen.
Beispiel:
Fertigung von 6 zweiteiligen künstlichen Steinen/Felschen
 mit den jeweils ungefähren Abmessungen von 40 X 40 X 13 cm

Materialliste :

Styroporplatten 100 und 30 mm stark
Cuttermesser mit Abbrechklingen und Ersatzklingen
Heißluftföhn
4 bis 5 Pinsel (vorzugsweise günstigstes Sammelpack)
Flex - Fliesenkleber / Wasser
3 Kleingefäße (vorzugsweise Gläser)
Epoxydharz (Masse & Härter) Gesamtverbrauch hier ca. 1,2 KG
Küchenwaage
5 Paar Einmalhandschuhe
Pigmentfarben (z.B. Frankfurter Rot)
1 Umzugskarton
ca. 20 KG Sand (vorzugsweise gemischtkörnig/-farbig, über 90% bleiben übrig) 


Der erste Arbeitsschritt ist gleich der entscheidende und das Fundament für das spätere Ergebnis. Mit einem Cuttermesser werden jeweils aus einer 40 X 40 cm (10 cm dick unten) und 35 X 35 cm (3 cm dick oben) felsenähnliche Formen geschnitzt. Dies erfordert etwas Übung und Geschick.
Unbedingt zu vermeiden sind Bruchkanten und zu gerade Formen. Wer ratlos ist, sollte sich bildliche Vorlagen aus der Natur bereitlegen. Das Wichtigste aber ist Geduld.
Auch ich kann unmöglich 6 solcher Felsen am Stück schnitzen. Wenn man merkt, dass Konzentration oder Lust nachlassen, sollte man das ganze einfach ein paar Stunden liegen lassen und mit neuer Energie zur Tat schreiten.

Insbesondere bei Rückwänden hilft es mir nach einigen Stunden einen Blick aus größerem Abstand auf das Werk zu werfen, um was wirklich Schönes zu erschaffen. Die Messerklingen werde bei dieser Arbeit relativ schnell stumpf und müssen regelmäßig geschärft und/oder ausgetauscht werden.


Mit einem Heißluftföhn werden nun scharfe Kanten gerundet sowie Brösel und Schnittspäne weggepustet bzw. weggeföhnt. Dieses sollte unbedingt im Freien oder sehr gut belüfteten Räumen erfolgen.
Von der Methode mit Lösungsmitteln die Oberfläche zu gestalten, halte ich persönlich gar nichts. Zum einen ist das sehr geruchintensiv, zum anderen ist das Ergebnis nicht überschaubar.
Als nächster Arbeitsschritt erfolgt ein zweifacher Anstrich mit Fliesenkleber.  Die Konsistenz des Klebers sollte zäh, aber auch flüssig verstreichbar sein. Wässrig oder breiig wäre ungeeignet.
Ich empfehle den Flexkleber in das Wasser einzurühren, um Klumpenbildung zu vermeiden.
Ober- und Unterseite des jeweiligen Arbeitsstückes werden getrennt voneinander mit zwei Anstrichen versehen. Ich lasse einen jeweiligen Anstrich dann über Nacht trocknen. Unter Umständen kann an einigen Stellen ein 3. Nacharbeiten erforderlich sein. Abgetrocknet ist dieses Ergebnis dann aber immer noch recht fragil und würde bei einem Herunterfallen Schaden nehmen.
getrenntes Beschichten der jeweiligen Ober bzw. Unterseite1. (links) fast trocken und 2. Anstrich (rechts) noch frisch
Detailansicht: frisch aufgetragenDetailansicht: fast trocken
Erster Anstrich mit Epoxyd Harz

Nun wird das Epoxyd-Harz für den ersten Anstrich angerührt. Es sollte beim Arbeiten mit dem Harz unbedingt Handschuhe getragen werden! Diesen ersten Anstrich färbe ich nicht ein und er bleibt sozusagen transparent. Beim Abwiegen der Komponenten ist peinlichst genau auszuwiegen !!!

Das von mir verwendete Epoxydharz (7,5 KG - Gebinde) wird in einem Gewichtsverhältnis 2:1 angerührt und hat von da an eine Verarbeitungszeit von 20 Minuten. Das heißt,  20 Minuten habe ich Zeit alles zu verstreichen.
Von daher empfehle ich immer nicht zuviel (wie hier 600 g) Harz auf einmal anzurühren. Es ist ärgerlich, wenn während des Arbeitens plötzlich nichts mehr geht und man die Hälfte wegwerfen muss.

Eine gute Dosis für mein Arbeitstempo sind in diesem Beispiel 300 g, also 200 g Harz und 100 g Härter.

Für großflächigere Arbeiten gäbe es auch das gleiche Produkt mit einer mehrstündigen Verarbeitungszeit. Dieses habe ich aber noch nie verwendet.

Auch rate ich eher von Kunststoffgefäßen (wie hier abgebildet) ab. Diese können sich durch die Hitzeentwicklung zum Ende der Verarbeitungszeit verformen und reagieren. Fataler Weise gibt es auch Kunststoff - Lasur Pinsel, die sich dann auflösen. Sicherer ist es Gläser zu verwenden.
Auch hier werden die jeweiligen Seiten getrennt voneinander mit dem ersten Anstrich versehen, denn sonst würde ich die Arbeit nachher nicht mehr vom Arbeitstisch bekommen.

Dieser 1. Anstrich ist frisch wie hart optisch nicht zu unterscheiden und glänzt wie Speckstein. Ich lasse diesen ersten Anstrich in aller Regel über Nacht liegen.
Dieser Anstrich stabilisiert das Arbeitsstück nach dem Aushärten nun schon soweit, dass es nur bei sehr kräftigem Daumendruck noch nachgibt.
Zweiter Anstrich mit Epoxyd Harz
Auch beim folgenden 2. Anstrich gehe ich wie bei dem beschriebenen Ersten vor. Einziger Unterschied ist das Einrühren von Pulverfarbe. Ich verwende recht häufig Frankfurter Rot bzw. Gelb.
Diese gibt es im Baustoffhandel und 1 KG kosten ca. 10€. Es gibt aber auch dezentere Farbtöne im Künstlerbedarf - Ausprobieren. Pro Anstrich benötige ich aber nur geringste Mengen. Bei 300 g maximal einen halben Teelöffel voll.
Das gefärbte Harz ist dann aber nur leicht angefärbt wie dünner Kaffee, was völlig ausreicht, denn die gewählte Farbe schlägt beim abschließenden Besanden ungewöhnlich kräftig durch.

Wie ein rohes Stück Fleisch sieht das Ganze nun aus.  Ich lege dieses Teil dann zum "Panieren" in einen auf 30 cm Höhe abgeschnittenen Umzugskarton. Diesen fülle ich ca. 10 cm mit Sand. Ich habe recht gute Ergebnisse damit erzielt, wenn die Körnungen unterschiedlich und das Sandgemisch mehrfarbig war.

Der zweite Anstrich sollte nicht zu dick und voll abgetropft sein, bevor ich besande. Wie bereits erwähnt, lässt sich dies ohne großen Zeitdruck nach der streichbaren Phase des Harzes (ca. 1 Std. lang) machen.
Es kann passieren, dass das Harz sich an zu dicken Stellen durch den Sand in die Ansicht saugt. In solchen Fällen muss noch mal kräftig Sand nachgefeuert werden.

Nun bewerfe ich das klebrige Teil von allen Seiten mit dem Sand. Die hohe Sandschicht hat den Vorteil, dass ich die Kanten tief in den Sand drücken kann.
Das fertige Teil lasse ich über Nacht stehen. Am Folgetag wird es mit heißem Wasser abgebürstet und ist erstmal soweit fertig.
Wenn genügend Zeit ist, stell ich die Teile auch einfach mal ein, zwei Wochen auf die Terrasse in den Regen und spare mir das Abbürsten.
In jedem Fall sollten sie nun nach dem Waschen 0,0 riechen oder kleben, denn sonst wäre etwas schief gelaufen!!!

Die Oberfläche ist nun so stabil, dass ein Teil aus 2 Metern auf den Boden fallen kann ohne größeren Schaden zu nehmen. Diese Teile sind dann unverwüstlich und halten ein Leben lang. Bei Verunreinigung durch Kot oder Futterreste kann man sie "abkärchern", ohne dass sie Schaden nehmen.

Wenn einem das Ergebnis farblich nicht so zusagt, gibt es auch die Möglichkeit, solche Kunstfelsen mit Lehmpulver etwas zu patinieren. Ich war in diesem Fall aber einigermaßen zufrieden und die neuen Einrichtungsgegenstände wurden auch sofort akzeptiert.
Auf ähnliche Weise baue ich auch Rückwände, Pflanzgefäße, "wet"-Boxen und ähnliches...  Auf die gleiche Weise kann man auch Plateau-Landschaften erschaffen.
Ich habe hier mal als Beispiel die 6 kleinen Felsen fürs Foto anders arrangiert, als sie geplant waren:
großer Kunstfelsen
Unter dem obersten abnehmbaren Vorsprung befindet sich ein Einstiegsloch in eine 40x40x40 cm
große Eiablagekiste für meine Felsenschildechsen. Da sie endlich wieder dieses Jahr gepaart haben,
hoffe ich, dass es im April - Juni zur Annahme stimuliert.

Das war’s erstmal. Vielleicht konnte ich dem einen oder der anderen Appetit auf diese Technik machen. Bitte beachtet insbesondere beim Arbeiten mit dem Harz die Herstellerhinweise! Denn in der Kürze der Zusammenfassung fehlt hier sicherlich der ein oder andere Sicherheitshinweis.

Peter Harbig
(Berlin)
harbig
mehr über Peter
        Die AG Einsteiger & Jugend dankt dem Autor recht herzlich,
        dass wir seine Baudokumentation veröffentlichen durften ! 
© Juni 2010
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